CeBIT 2010

Wie bereits letztes Jahr organisierte der Fachverband UBIT (Unternehmensberatung & IT) der niederösterreichischen Wirtschaftskammer einen Tagesflug zur CeBIT. Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Mag. Wolfgang Schwärzler, der die Reise arrangiert und uns wieder bis zum CeBIT Messegelände und zurück begleitet hat.

Im Folgenden möchte ich meine persönlichen Eindrücke wiedergeben, wenn dabei Marken, Produkte oder Technologien bevorzugt werden, die es Ihrer Meinung nach nicht verdienen, bin ich gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen - schreiben Sie mir!

Wenn Preise erwähnt werden, dient das nur zur Orientierung, sie entsprechen dem Bruttopreis zum Zeitpunkt der Entstehung des Berichts und unterliegen starken Schwankungen. Sie können aber die aktuellen Marktpreise für Consumer Geräte z.B. bei Geizhals ermitteln oder beim Hersteller erfragen.

Das Thema Nummer 1

Der Wettergott war uns zum Glück gnädig gestimmt: Zwar hatte es in Hannover den ganzen Tag über Temperaturen knapp unter 0 Grad, aber die strahlende Sonne entschädigte dafür und die für Nachmittag angekündigten Schneefälle zeigten sich erst am Flughafen bei der Rückreise mit airberlin. So konnte ich auch die Enteisungsanlage des Flughafen Hannover in Aktion erleben.

Zukunftsaussichten

Unsere Reisegruppe war dieses Jahr erstmals 28 Personen stark, und vielleicht wurden wir deswegen von der Deutschen Messe AG sehr freundlich zu einem kleinen Empfang geladen, bei dem natürlich auch ein bischen Eigenwerbung zu hören war. So wurde darauf hingewiesen, dass die CeBIT noch immer die weltweit größte Computermesse ist und noch 2010 das Messekonzept in die Türkei und nach Australien exportiert wird. Für 2011 ist auch eine Veranstaltung in Brasilien geplant.

Der Bericht des renommierten Computermagazins c't zur CeBIT vom 1.3.2010 zeichnet aber ein nicht ganz so positives Bild:
... Mit rund 4150 Unternehmen aus 68 Ländern verzeichnet die Messe die niedrigste Teilnehmerzahl seit 20 Jahren. Allerdings beteiligen sich laut der Deutschen Messe AG in diesem Jahr knapp 300 Firmen zum ersten Mal an der CeBIT, darunter auch Google ...
(Quelle: c' t Magazin 6/2010, "CeBIT 2010 - Verknüpfte Welten" von Peter-Michael Ziegler)

Obwohl im Vergleich zum Vorjahr wieder vier große Hallen weniger belegt waren, vermittelte heuer die Hallengestaltung nicht diesen teilweise trostlos leeren Eindruck. Auf die wenigen Ausnahmen gehe ich später noch detailliert ein.

Positiv fiel mir auf, dass sehr viele Geräte präsentiert wurden, die am Markt noch nicht erhältlich sind, was meiner Meinung nach ein gutes Zeichen für die Bedeutung der CeBIT darstellt.

Jugendverbot

Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren war diesmal der Eintritt nur am Samstag erlaubt. Teilweise hatte ich aber den Verdacht, dass einige der Kids den über-21-Ausweis für die Disco mitgebracht hatten.

Sperrzone

Die Planet Reseller Zone in den Hallen 14 und 15 war militärisch abgeschirmt und konnte nur mit einer eigenen Eintrittskarte betreten werden. Diese bekam man allerdings durch Abgabe einer Visitenkarte und dem Ankreuzen des Feldes "Ich bin Reseller" auf einem A4- Fragebogen. Da ich einige Messebesucher sah, die diese Prozedur nicht über sich ergehen lassen wollten, glaube ich, dass sich die Firmen, die sich in diesem Areal verschanzten, damit keinen großen Gefallen taten. Es fiel mir auch ein wenig schwer, zu erkennen, nach welchem Kriterium die Stände dem Reseller Bereich zugeordnet waren.

What sells?

Es mag daran liegen, dass ich seit meinem letzten CeBIT-Besuch wieder ein Jahr älter geworden bin, aber ich hatte den Eindruck, dass bei der Auswahl der Standbetreuerinnen heuer mehr Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wurde. Dabei dürfte bei manchen Firmen das Budget ausgeschöpft worden sein, sodass keine Mittel mehr für ausreichende Bekleidung vorhanden waren.

Alles in allem war das Standpersonal freundlich und bemüht, wusste es nicht mehr weiter, wurde nach einem Spezialisten gesucht, der dann auch meistens greifbar war. Oft konnte das Gespräch, wenn es ins Detail ging, dann nur in Englisch fortgesetzt werden.

Nur an wenigen Ständen hatte man den Eindruck, ein unsichtbares "Bitte weitergehen"-Schild würde es den Standbetreuern ermöglichen, sich weiter ihrer Zeitung zu widmen. Nicht ganz so schlimm, aber auch verbesserungswürdig, waren die zwei Herren, die so konzentriert an ihren Notebooks arbeiteten, dass ich es nicht wagte, sie wegen ihrer Produkte zu stören. In beiden Fällen war wahrscheinlich schade um die Standgebühr.

Einige Firmen hatten ihren Messestand so aufgebaut, dass nicht klar erkennbar war, was hier eigentlich beworben wurde, und wie vor 25 Jahren an IBM Ständen hielt einen der gepflegte blaue Teppich und extrem nüchternes Mobiliar mit Sichtschutz davon ab, näherzutreten. Wenn es das Ziel war, Kugelschreiber- und Zuckerljäger abzuhalten, ist das gelungen, doch ich glaube, auch ein paar potentielle Kunden gingen damit verloren.

Extreme Gaming

In der Halle 23 gab es mit der Veranstaltung Intel Extreme Masters wieder ein Fest für Computerspieler. Neben zahlreichen PCs mit Spielen, die für die Messebesucher frei zugänglich waren, wurden auf einer über die gesamte Hallenlänge reichenden Bühne die Semifinal- und Finalspiele der ESL ausgetragen.

Wahrscheinlich durch das eingangs erwähnte Jugendverbot war die Anzahl der Zuseher deutlich geringer als voriges Jahr, und hämmernde Bässe in Disco-Lautstärke gaben sich Mühe, ältere Semester dem Geschehen fernzuhalten. Wie sich allerdings der Versuch der ESL, Computerspiele als ernsthafte Sportart - immerhin ist der Gewinn des Counterstrike 1.6 Finalspiels mit 100.000 USD dotiert - zu präsentieren, mit den Konzentration raubenden Rythmen vereinbaren lässt, erschliesst sich mir nicht ganz.

CeBIT sounds!

In Halle 22 sollten sich unter dem Motto CeBIT sounds! Vertreter von Plattenfirmen, Künstler und Produzenten von musik-relevanter Soft- und Hardware ein Stelldichein geben.

In der Praxis musste sich der Messeveranstalter aber fast bei Intel bedanken, da die Halle mehr oder weniger leer geblieben wäre, wenn nicht ein Teil der Veranstaltung Intel Extreme Masters in diese Halle auslagerten worden wäre.

Zwar las ich, dass der Chef der Deutsche Messe AG, Ernst Raue, betonte, man sei mit dem ersten Auftritt der Musikindustrie auf der CeBIT zufrieden und wolle das Experiment nächstes Jahr fortsetzen (Quelle: heise online), aber ich denke, der Versuch, das Thema Musik mehr einzubinden, ist damit gescheitert.

Das Dilemma der Securities

Die Hersteller von Virenscannern und verwandter Sicherheitssoftware haben meiner Meinung nach das Problem, dass sie nicht in der Lage sind, dem potentiellen Kunden zu vermitteln, warum ihr Produkt besser ist als andere.

Durch schwankende Qualität und ununterbrochen wechselnde Testsieger in verschiedensten Computerzeitschriften wird die Entscheidung nicht leichter, und so ist es interessant zu sehen, wie die Messestände in Farbgebung und Design versuchen, dem Messebesucher in Erinnerung zu bleiben. Live-Musik ("Mambo-Kurt") und Bereiche mit Autorennspielen sorgen für feuerwehrfestähnliche Atmosphäre, in der die technischen Fakten untergehen.

Aber - wie gesagt - es ist schwer, sich auf technischer Ebene abzusetzen.

APC

APC versäumte auch heuer wieder die Gelegenheit, ihre durchwegs guten kleinen USVs zu präsentieren. Von den neuen Modellen der Smart- und Back-UPS Serie standen nur zwei Geräte kommentarlos auf einem Sockel.

Der schon fast traditionelle Schrankbauwettbewerb, in dem APC zeigt, wie schnell man mit dem hauseigenen Baukastensystem einen 19" Schrank zusammenstellen und ausstatten kann, lockte vor allem Jugendliche an. Ich wage zu unterstellen, dass sie nicht die zukünftigen Käufer von schweren 10kVA USVs und Klimaschränken sind und die meisten wahrscheinlich den Namen APC beim Verlassen der Messe wieder vergessen haben.

Vielleicht wäre hier ein neuer Marketingansatz vonnöten, um neue Käufer im SOHO Segment zu erreichen - in der Breite liegt auch Umsatz ...

ASUS

Für mich war der Stand von ASUS wieder einer der Innovationsträger der CeBIT.

Als riesiger Bereich in den Asien-Hallen fiel er nicht nur durch sein Größe auf, sondern auch durch den Umstand, dass auf dem Stand so gut wie keine asiatischen Betreuer zu sehen waren, rundherum hingegegen fast ausschliesslich. Bei den zahlreichen ausgestellen Produkten herrschte ein reger Andrang, vor allem bei den kleinen Notebooks und Netbooks.

Den voriges Jahr vorgestellten Eee Top Geräten mit 16" Touchscreen folgten heuer neue Modelle in 20", die in Kürze am Markt erscheinen werden. Leider wurde das Versprechen der CeBIT 2009, auch einige Modelle mit Akkus zu versehen, bis jetzt nicht in die Tat umgesetzt.

Die meisten neuen Notebooks von ASUS sind mit Express Gate ausgerüstet, einer Linux-Distribution der Firma Slashtop, die wie das BIOS fix im PC abgelegt ist und in sekundenschnelle (etwa 8s nach dem Einschalten) verwendbar ist. Damit können ein Webbrowser, eine Fotobetrachtungssoftware und Skype verwendet werden. Ein bischen paradox ist, dass es im Moment keine Unterstützung für ein eingebautes UMTS Modem gibt, mit dem man unter Windows über das Handynetz surfen kann. In zukünftigen Versionen von Express Gate soll diese Unterstützung aber implementiert sein, ob es sie auch als Update für aktuell erhältliche Geräte geben wird, konnte man mir nicht sagen.

Microsoft

Auf dem Stand von Microsoft war das Hauptthema Windows 7, etwas dezenter wurde Office 2010 präsentiert. Ein eigener Bereich für das neueste Serverbetriebssystem Windows Server 2008 R2 versuchte, ein wenig Klarheit in die inzwischen recht komplexe Produktpalette zu bringen.

Der Zustrom zu den großen benachbarten Ständen von Microsoft und der deutschen Telekom erzeugten eine Blockade, die dahinterliegende Bereiche für die Besucher fast unerreichbar machten. Ich hoffe, dass die Standmieten diesem Umstand angepasst waren.

Jeder sollte eines haben

Das Thema der Network Attached Storages, kurz NAS, hat sich lawinenartig weiterentwickelt. Jede Firma, die damit ansatzweise zu tun hat, hat ein eigenes Produkt auf den Markt gebracht, d.h. Netzwerkhersteller, Festplattenhersteller und Hersteller von Multimedia Consumer Electronic Geräten.

Als Hauptvorteil für den Endkunden enstanden eine Vielzahl von neuen Produkten, die von der Geräuschkulisse her nun auch endlich wohnzimmertauglich sind. Die meisten davon sind klassisch für zwei 3,5" Festplatten im RAID 0 oder RAID 1 Betrieb ausgelegt.

Das Ende der Festplatte wie wir sie kennen

Nachdem Intel eine kurze Zeit lang der einzige Hersteller war, der langzeitperformante SSDs anbieten konnte, sind die Anbieter der ersten Stunde aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und haben nachgezogen. Auch einige Festplattenhersteller wie z.B. Western Digital springen auf den SSD Zug auf.

An den Preisen hat das im Moment noch nichts geändert, aber es besteht die Hoffnung, dass der sich verändernde Markt im Laufe der nächsten 18 Monate auch die Preise auf das heute für Festplatten übliche Niveau sinken lässt. Inzwischen bin ich auch davon überzeugt, dass die SSD die rotierende Festplatte in etwa 5 Jahren komplett abgelöst haben wird.